Fehlgeschlagene Kommunikation (Folge 1)

Fehlgeschlagene Kommunikation (Folge 1)

Wir alle möchten unsere Meinung bzw. Botschaft offen verkünden und dafür ein Publikum finden. Das liegt in der menschlichen Natur und ist auch gut so. Das folgende Beispiel zeigt, wie man aus den Fehlern der alltäglichen Kommunikation für sich lernen kann. In der ersten Folge von Fehlgeschlagene Kommunikation geht es um Botschaften, die nicht (effektiv) beim Empfänger ankommen – gefolgt von Tipps, wie man es besser machen kann.

Spaziert man durch eine durchschnittliche, deutsche Stadt, so fallen immer wieder fehlgeschlagene Kommunikationsversuche auf. So erging es mir auch vor einigen Tagen, als ich am Flussufer der Regnitz entlang spazierte und unter eine Brücke an einem Pfeiler folgende Zeilen entdeckte:

„Clara ich liebe Dich!“

Während sich so manch einer über das Geschmier ärgern würde, musste ich mir unweigerlich folgende Fragen stellen:

  1. Liest Clara das?
  2. Wer liebt Clara?
  3. Warum sagt er ihr das nicht persönlich?

Aus diesen Fragen lassen sich drei Fundamentale Ratschläge für jede Art von Kommunikation ableiten, also wenden wir unseren Blick einmal weg vom Brückenpfeiler ab und beschäftigen uns mit der Kommunikationspraxis.

Wo ist mein Publikum?

„Stell Dir vor es is Krieg und niemand geht hin!“ Ist es dann wirklich ein Krieg? Diese Metapher lässt sich (fast) nahtlos auf die Kommunikation übertragen: Wenn ich etwas sage, aber niemand hört zu – wurde es dann wirklich ausgesprochen?

Unternehmen sind in Ihrer Kommunikation auf ein Publikum genauso angewiesen, wie Privatpersonen im „echten“ Leben. Dies ist einer der Gründe, warum ich Print-, Radio- oder Fernsehwerbung in den meisten Fällen als „wenig effektiv“ einordne: Das Publikum ist nicht messbar und schlecht definiert.
Es gibt Unternehmen, die viel Geld in die Hand nehmen, um im privaten Fernsehen für ihre Produkte oder Dienstleistungen werben zu können. Dank Mediaanalysen können Werbeplaner zwar relativ genau sagen, wann die eigene Zielgruppe vor dem Bildschirm sitzt, aber sie können niemanden dazu zwingen, vor dem Fernseher sitzen zu bleiben. Was passiert also in der Werbung?
Man springt hastig auf und rennt auf die Toilette, holt sich vielleicht noch eine Tüte Chips und ein neues Bier. Vor dem Fernseher wieder angekommen zapped man noch so lange die Kanäle durch, bis das gewünschte Programm endlich seine Fortsetzung findet. In den wenigsten Fällen bleibt der Zuschauer vor dem Fernseher sitzen, um 5 Minuten „Verbraucherinformationen“ zu rezipieren. Ähnlich verhält es sich mit Radio- oder Printwerbung: Sie wird übersehen oder bewusst ignoriert. Ziel des Unternehmens sollte es aber sein, dass das Publikum mit der Werbebotschaft interagiert und mit dem Produkt identifiziert.

Diese bedeutet nicht, dass Fernsehwerbung generell schlecht ist. Allerdings zählt sie zu den Luxus-Maßnahmen und ist für die meisten Produkte und Unternehmen ungeeignet. Gerade im regionalen Bereich gibt es mittlerweile bessere Lösungen, um Bekanntheit und Reichweite zu erlangen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Als ersten Tipp für den Verfasser unserer Brücken-Botschaft: Clara würde bestimmt eher Kenntnis von Deinen Gefühlen nehmen, wenn Du die Botschaft auf ihrem Schul- oder Arbeitsweg prominent platzierst. Wenn Clara allerdings unter der Brücke lebt: Glückwunsch, Du hast alles richtig gemacht!

Wer ist der Urheber?

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Clara öfter unter dieser Brücke entlang spaziert und diese Botschaft auf sich bezieht, weiß sie nun: Jemand liebt sie, aber wer?!

So wie ein Brief einen Absender hat, so sollte bei Botschaften eines Unternehmens auch immer klar erkennbar sein, wer dahinter steht. Dies ist dem Verbraucher gegenüber nur fair und symbolisiert: „Wir wertschätzen Dich und wollen, dass Du uns kennen lernst!“

Tatsächlich habe ich einmal im lokalen Radio einen Spot gehört, der ungefähr so ging:

„Heute großer Ausverkauf an Matratzen, Kissen und Bettdecken. Alles bis zu 50% reduziert! Besuchen Sie uns heute im Gewerbegebiet und machen Sie ein paar tolle Schnäppchen. Nur so lange der Vorrat reicht!“

Im entsprechenden Gewerbegebiet gibt es drei Matratzenläden und zwei Wohnraumausstatter. Diese haben sich an diesem Tag wohl über eine hohe Laufkundschaft gefreut…

So offensichtlich oder witzig es klingt: Der Fehler des fehlenden Absenders wird immer wieder begangen und kann als Kunstform nur bei sogenannten Guerilla-Kampagnen betrachtet werden.

Tipp Nummer 2: Unterschreibe Deine Botschaft! Sonst weiß Clara nicht, wem sie um den Hals fallen soll.

Was ist der beste Kommunikationskanal?

Wie schon im ersten Punkt angeschnitten, gibt es verschieden Kanäle zur Kommunikation. Je nach Beweggrund, Inhalt oder Produkt eignen sich davon manche besser und manche schlechter für erfolgreiche Kommunikation.

Tipp Nummer 3: Gestehe Clara Deine Gefühle auf einem Kanal, auf dem sie Deine Botschaft auch empfangen kann – ich empfehle ein persönliches Gespräch!

Um dies für Unternehmen zu verdeutlichen, ein kleines Beispiel aus der Praxis:

Herr Müller hat ein technisches Produkt entwickelt. Es hat viele Funktionen und ein tolles Design. Nun möchte er dieses Produkt auf der Facebook-Seite seines neu gegründeten Unternehmens vorstellen. Welche Möglichkeiten und Tools kann er hierfür nutzen?

  1. Die schlechteste Wahl: Herr Müller entschließt sich dazu, in seinem Blog das Produkt zu beschreiben. Er verfasst einen langen Beitrag und stellt diesen Online.
    Analyse: Um ein Produkt zu beschreiben ist ein Text keine gute Wahl! Dieser erfordert viel Aufmerksamkeit vom Leser und kann mehr Fragen aufwerfen, als beantwortet werden.
  2. Der Mittelweg: Herr Müller richtet sich einen Account bei Instagram ein. Hier lädt er viele Bilder seines Produktes hoch und beschreibt diese kurz. Dann verbreitet er sie über seine anderen Kanäle.
    Analyse: Ein Bild sagt tatsächlich mehr als 1.000 Worte, aber sie erklären sich nicht selbst. Die Bildunterschriften sollten also nicht nur kurz sondern auch detailreich sein. In vielen Fällen ergibt dies einen sehr schwierigen Spagat.
  3. Effektiv: Das Herr Müller nicht jedem potentiellen Kunden sein Produkt immer aufs Neue erklären möchten, entschließt er sich ein kurzes Video zu drehen. In diesem erklärt er die Funktionsweise und kann gleichzeitig das Design vorführen. Das Video, das zwischen 3 und 5 Minuten dauern sollte, lädt Herr Müller auf YouTube hoch und gibt es in seine Kanäle.
    Analyse: Gerade für Produktvorstellungen und -erklärungen eignen sich kurze Videos sehr gut. Kommentarfunktionen auf Video-Plattformen geben den Interessenten die Chance, Fragen zu dem Produkt zu stellen.
  4. Der Königsweg: Herr Müller kombiniert verschieden Maßnahmen und Kanäle, um die bestmögliche Reichweite für sein Produkt zu erlagen. Hierfür setzt er sich lange mit den verschiedenen Tools und Verbreitungsweisen auseinander. Er produziert Videos, Bilder und Texte. Sein Fokus liegt dabei auf zielgruppengerechter Kommunikation und guter SEO.
    Analyse: Dieser Weg beansprucht die meiste Zeit. Gleichzeit hat er auch den Vorteil, dass Interessierte sich auf verschiedenen Wegen (und nach eigenen Bedürfnissen) informieren können. Durch einheitliche Kommunikation zahlt dieser Weg auf verschiedene Ziele gleichzeitig ein: Kundengewinnung, Stärkung und Bekanntmachung der Marke, automatische SEO, und vieles mehr.

Zu guter Letzt

Wer bis hierher gekommen ist, hat gutes Durchhaltevermögen bewiesen und etwas mehr Sensibilität für Außenkommunikation erlangt. Hier noch ein paar Zeilen in eigener Sache:
Gerade im professionellen Bereich zeigen sich oft Tücken bei der Kommunikation, die man umgehen kann. Ein Fehler, der dabei immer wieder begangen wird: Man nimmt keine Hilfe an.
So werden leider oft große Teile des Kommunikations-Budgets sinnlos aufgebraucht, ohne dass eine Strategie verfolgt wird. Der Gedanke ist: Beratung ist teuer, wir machen das lieber selbst.

Leider sehe ich in meinem Alltag als Kommunikationsberater immer wieder, dass diese Aussage so falsch ist wie ein 300€-Schein:

  1. Fehler sind teuer! Das weiß jeder, der sich schon einmal einen 2-Jahres-Vertrag für eine Dienstleistung hat aufschwatzen lassen, die letztendlich für die eigenen Ziele unbrauchbar waren. Deshalb: Bevor sich hektischer Aktionismus breit macht einen Berater engagieren.
  2. Für jedes Budget gibt es ein Konzept! Ob man nun 50€ oder 5.000€ im Monat für Kommunikation ausgeben möchte ist egal. Wichtig ist nur, dass ein gutes Konzept dahinter steht.
  3. Kommunikation braucht Zeit! Und das in zweifacher Weise. Wer heute mit der Kommunikation beginnt, darf nicht davon ausgehen morgen schon einen Erfolg zu sehen. Nur kontinuierliche Kommunikation findet langfristig ein Publikum. Daher sollte man auch Kommunikation ständig und zielgerichtet betreiben. Vielen Unternehmen fehlen hierfür die Kapazitäten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Ihnen bei der Kommunikation mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Für ein unverbindliches Angebot können Sie gerne jederzeit mit mir Kontakt aufnehmen.
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Bildquelle: Neal Theasby

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